Ich will meinen Gerhard Löwenthal! Sofort!

Dieser Beitrag richtet sich an alle, die schon eine Ewigkeit hier wohnen, 1972 mit „Willy wählen“ am Revers auf jeder Party heftig politisiert, mit Hassreden den „großen Gott der Faltenlosigkeit“ (so Hans Peter Hüsch) und Schleimer (so Herbert Wehner) Rainer Barzel kräftig geschmäht und mit vollem Herzen einen gehasst haben, der Gerhard Löwenthal hieß.

Das Schau in Tagesschau kam noch vom Wortstamm „schauen“ und nicht von „show“. Es gab linke Magazine, wie Panorama mit Joachim Fest (dessen Sohn Dr. Nikolaus Fest sich mutig zu den Bösen bekennt) und Peter Merseburger, oder Monitor mit Claus Hinrich Casdorff oder Klaus Bednarz. Rechts und Links war klar getrennt, die Blöcke standen und man konnte noch normal reden und ohne Schwuchtelsternchen schreiben. Rassismus kannte man nur, wenn es um die Neger in Amerika ging, die laufend anders bezeichnet (colored, negroes, black, african american, you name it), aber trotzdem weiter diskriminiert wurden. USA, das Scheinheiligenparadies des Westens. Jeder ordentliche Weiße hatte immer einen schwarzen Freund, der wurde auch auf Parties eingeladen, aber wer als Weißer eine Schwarze heiratete wurde galant geschnitten. Die Verlogenheit dauert zur Stunde noch an.

Rassisten gab es in Deutschland genau so wenig wie Populisten. Wenn einer ein Arsch war, dann wurde er auch als solcher bezeichnet. Mit Hate-Speech hätte keiner etwas anfangen können und der Vater unseres Justizministers wäre besser einer anderen Beschäftigung nachgegangen. Der Rudi konnte mit dem Ralf noch auf hohem Niveau diskutieren: „Konflikte stimmen uns heiter, endlich geht es weiter!“ (wer würde das heute sagen?) Der Kampf gegen rechts spielte sich noch nicht in Divisionsstärke ab und bei der Antifa waren nur die milde belächelten DKPler. Ein ordentlicher Christdemokrat hätte da nie mitgemacht.

Früher war auch mehr Lametta dran, sagt der ein oder andere – auch das war so. Klaus Staeck machte noch Plakate, u.a. Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen und damals verstand man noch, was damit gemeint war. Genützt hat es trotzdem nichts.

Auch der oben abgebildeten Sticker stammt von Klaus Staeck. Den klebten wir heimlich auf alle Fernseher, denen wir habhaft werden konnten. Genützt hat es auch nichts. Wir haben auch nicht abgeschaltet, sondern ab und zu immer geguckt, was dieser kalte Krieger über die Ostzone oder „Drüben“ berichtete. Es war nicht nach unserem Geschmack, wir hassten diesen Typen, aber wir hörten ihm zu. „ZDF Magazin“ hieß das Pendant zu Panorama und es war live, wie die schnell versteckte Zigarette bewies.

Punkt und Contrapunkt. Das fehlt heute. Wer bietet den Reschkes, Restles, Haylalis u.v.m. Konkurrenz? Wer kein Herz für Migranten, ähh Schutzsuchende hat, braucht erst gar nicht die Klappe aufzumachen. Das Humanitäre unterliegt der Ratio, wie alles der Ratio unterliegt, was mit Realität zu tun hat. Wir sind im metaphysischen Zeitalter angekommen. Die schlichte Betrachtung (oder hier) physikalischer Notwendigkeiten, um einen E-Mobilitätstraum in die Realität umzusetzen, interessiert und versteht weder ein Schulz noch eine Claudia Roth. Besser wüsste das eine Physikerin namens Merkel, aber warum sollte sie da einschreiten? Sie tut ja sonst auch nix. Nach diesem Masterplan werden Flughäfen in Berlin gebaut und Abgaswerte per Softwareupdate in die richtige Richtung frisiert. Alle sind für E-Autos, alle sind für Flüchtlinge, alle, alle alle. Widerstand ist zwecklos und bei der flächendeckenden Mundtotmachung macht man eben mit. Widerstand gibt es nur noch hinter vorgehaltener Hand. Wer sich bei der AfD über deren imperialistische Kriegspolitik informieren will, kann sich seinen Weg zum Versammlungsort – sofern es noch einen gibt, der nicht verwüstet wird oder wurde – nur mit Polizeischutz durch Horden von Nazis bahnen.

So stimmt es Wunder, wenn ein Felix Stephan einen guten Artikel schreibt, der mal Grundsätzliches ausspricht. Meinungsfreiheit ist kein Privileg derjenigen, die meinen, die Auserwählten zu sein. Das ist eher ein untrügliches Zeichen für Faschismus.

… und ich sitze hier und würde gerne das Gerät einschalten, wenn ein „Löwenhaupt, oder so ähnlich“ (so Herbert Wehner in kabbalistischer Manier) auf dem Bildschirm erscheinen würde. Ich träume weiter – bald im Cafe Goldmund.

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30 Kommentare zu Ich will meinen Gerhard Löwenthal! Sofort!

  1. Oliver sagt:

    Ich fand Löwenthal mit seinem ZDF-Magazin sehr krass.
    Er war ja das Gegenstück zum Schwarzen Kanal.
    So findet man in den Gegensätzen das Gemeinsame 🙂

    Aber wenn’s um’s Schimpfen geht, um’s Auskotzen in der Politik, als Gegenstück zur Political Correctness, möchte ich noch den Kotzbrocken Herbert Wehner erWehnern 😉

  2. osthollandia sagt:

    Lieber alter Mann,
    Kokurrenz zu Hayali, Reschke & Co weiß ich jetzt nicht, aber es gibt ein paar junge Leute, die zumindest mal versuchen, die Stirn zu bieten.
    Neulich gab es „Sag’s mir ins Gesicht“, und da stellte sich Reschke besonders schlecht an, z.B. hier: https://www.youtube.com/watch?v=nGNIvhJxKZk&t=256s, wo imp ab 0:54 mit Reschke spricht und dann rausgeworfen wird, gab aber deutlich schlimmeres.
    Die jungen Kritiker wird man nicht im öffentlich Rechtlichen Fernsehn finden, die gibt es auf dem Internet, und da meist auf Youtube. Aber Shlomo Finkelstein und Reaktionär Doe taugen durchaus als Gegenpol zum derzeitigen aktuelle Kamera / schwarzer Kanal Einheitsbrei in den öffentlich Rechtlichen, Weltraumafen gehen durchaus als Ausgleich zu Anne Will.
    Schön, Dich wiederzulesen 🙂
    oh

  3. MichaelJ sagt:

    Der Blogwart in Hochform! Erzählt er mir doch von den Jahren, in denen er und ich die wohl auch die gleichen Gedanken, Ideen und Erlebnisse hatte. So was geht einem natürlich runter wie Öl, natives jungfräuliches zumal und kalt gepresst, vom Feinsten eben. Wüsste nicht gegen was ich Einspruch erheben könnte. Nur bei einer Sache, weiß ich nicht, wie ich das auf beste Gniffke’sche Art einzuordnen habe. Gut, er deutet schon an, was er dazu so denkt, wenn er den Verzicht auf Schwuchtelsternchen benennt. Aber trotzdem, wenn er schreibt „wer als Weißer eine Schwarze heiratete wurde galant geschnitten“ und nichts von der Weißen, die einen Schwarzen beischleppte, dann stellt sich die Frage, was er uns damit sagen will. Eigentlich war das lange Zeit ja die Gelegenheit schon mal „Das geht gar nicht“ von sich zu geben, Andererseits war das bereits damals sowas wie das ultimative Zeichen für die Befreiung der Frau. Nur woher die ganzen „Neeesche“ nehmen?

    Doch, einen gab es, glaube mich noch erinnern zu können, bei Fassbinder. Und noch einen beim Alten, dem Krimikommissar. Aber sonst? Doch, den an den sich sogar der bayrische Innenminister immer noch gerne erinnert, den Roberto, der sich für weiß hielt und sich deshalb Blanco nannte. Ich komme vom Thema ab, tut mir leid. Aber der Blogwart hat es geschafft, dass ich mal wieder einen Test fahren konnte, zu überprüfen, wie weit die Demenz bei mir schon fortgeschritten sein könnte. Ist mir aber noch alles sofort eingefallen, fast alles. Den Rainer Maria musste ich via Lilli Marleen googlen, letztere war mir natürlich gleich präsent.

    Der Löwenthal, Gerhard – doch ehrlich, das war schon eine begnadete Zumutung Bedauerlich daran ist nur, dass unter seiner Deckung eine andere Dreckschleuder von geradezu elefantösen Ausmaßen seinem Handwerk nachgehen konnte, auch noch im gleichen Sender und in ganz anderen Hierarchieebenen. Wer das gewesen sein soll? Reinhard Appelt! Nun gut, heutzutage sehen wir das evtl. wieder total anders. Aber so wie dieser Herr in einer Elefantenrunde mal glaubte, Jutta Ditfurth – damals glaube ich noch mit „von“ – zusammenfalten zu müssen, doch das war schon eine Sternstunde für Demokratie und Meinungsfreiheit.

    • Filer sagt:

      Die Frau Ditfurth hört einfach nicht auf zu schwafeln, da kann man ihr auch x- mal den Mund verbieten. Habe mir auf Grund deines Hinweises mal einige ältere youtube- Videos mit ihr angesehen- unerträglich und penetrant!
      Zu Jutta Ditfurth hat auch KenFM eine Meinung: https://www.youtube.com/watch?v=YUw1DppwIeo
      Schade, dass sich die Montagsdemonstrationen/ Pegida „dank“ Gegenpropaganda quasi aufgelöst haben („Wenn du da hingehst, bist du ein Rechter!“).

      • MichaelJ sagt:

        Es ging mir doch gar nicht um Jutta. Es ging vielmehr um diesen Herrn Appelt. Das hätte auch ein grün angestrichener Besenstiel sein können, auch den hätte dieser Typ in der Luft zu zerreißen versucht.

        Dass das Verfahren immer noch gerne angewendet wird, hat man ja neulich bei Bosbachs Auftreten bei Maischberger gesehen. So Unsägliches hat diese Ex-Adlige dabei gar nicht von sich gegeben. Jedenfalls nichts, um sich so aufzuführen. Da stand wohl für Bosbach auf dem Spickzettel: Mach einen auf Appelt.

        • Filer sagt:

          Ist ja gut, MichaelJ.
          Die Ditfurth ist für mich eine anstrengende Nervensäge, die einfach kein Ende fand in diese Runde- darauf wollte ich verweisen. Da kann der Appelt ruhig mal unwirsch werden, mit Recht! Und soo schlimm fand ich den nun auch wieder nicht.

    • Blogwart sagt:

      Ich muss zugeben, dass die Demenz mir den Reinhard Appelt weggefressen hat. Ich glaube, es ist nicht schlimm und fürs Gemüt hilfreich, wenn man nicht alle Arschlöcher in Erinnerung behält.

  4. Oliver sagt:

    „Besser wüsste das eine Physikerin namens Merkel, aber warum sollte sie da einschreiten? Sie tut ja sonst auch nix.“

    Bitte mal nicht die Kanzlerin der Untätigkeit bezichtigen!

    Die macht nämlich mehr, als Du denkst!

    „(…) Doch wiederum rennt Schulz vergeblich gegen eine amöbenhaft flexible Amtsinhaberin an. Nachdem der Sozi bloß Quoten gefordert hat, erklärte die Kanzlerin jetzt in einem Interview einfach den ganzen Verbrennungsmotor für obsolet. Während der Sozi den Markt bevormunden will, schafft ihn Angela „L’état c’est moi!“ Merkel einfach ab. Klar, warum soll sich ausgerechnet eine einstige FDJ-Sekretärin in puncto Sozialismus etwas vormachen lassen? (…) “

    ( https://www.michael-klonovsky.de/acta-diurna/item/632-15-august-2017 )

  5. Johannes Streck sagt:

    Heitere Reminiszenzen, auch an den unvergleichlichen Karl-Eduard von Schnit mit seinem Schwarzen Kanal! Ein „Schnitz“ war damals die Zeiteinheit, die man – noch ohne Fernbedienung – brauchte, um nach Erscheinen dieses Mannes aufzuspringen und den Kanalknebel umzuschalten.
    Werter AlterMann, sie wollen sich doch nicht mehr so viel ärgern?! Ich habe beste Erfahrung damit gemacht, daß ich überhaupt nicht mehr fernsehe. Bei uns läuft in Haus und Anwesen Jazz und E-Musik aus dem SAT-Radio und sollte ich mich mal zu einem Sender verirrt haben, der mir „Nachrichten“ zu bringen versucht, so werden die sofort weggezappt.
    Ihr Café Goldmund macht mit seinen Veranstaltungen und Verzehrangeboten einen sehr guten Eindruck, à la bonne heure! Den apulischen Primitivo haben wir hier allerdings zu 1 EURubel 10 den Liter in der Weinkooperative, freitags 10 Cent billiger; als Symbiose mit dem Bauernmarkt auf dem Gelände.

    • Blogwart sagt:

      Ach, ärgern tu ich mich nicht. Höchstens darüber, dass mir zu diesem Preis kein Primitivo zur Verfügung steht!

  6. Rainer sagt:

    Durch Kanzlerin Merkels TINA gibt es nicht nur keine Alternativen, sondern eben auch keine diskussionwürdigen Gegensätze mehr. Warum über Gegensätze diskutieren, wenn es eh nur einen Weg gibt, der alternativlos ist? Und dieser Weg ist eben auch der einzig richtige. Also: Flüchtlinge aufnehmen ist alternativlos, so lange die anderen Europäer nicht dazu bereit sind, müssen wir das eben tun. E-Autos sind die einzige sinnvolle Alternative, weil Mama Staat sonst im hier und heute tätig werden müsste, die Autohersteller den Diesel tatsächlich sauber machen müssten, was die Gewinne der großen Konzerne senken würde, und das geht nun gar nicht! Technisch wäre es durchaus möglich, einen sauberen Diesel zu bauen und zu verkaufen. Aber dann eben nicht mit einer Umsatzrendite von 15% bei VW und den anderen.

  7. Neo sagt:

    „Meinungsfreiheit ist kein Privileg derjenigen, die meinen, die Auserwählten zu sein. Das ist eher ein untrügliches Zeichen für Faschismus.“

    Sollte selbstverständlich und Jedem völlig klar sein- ist es aber nicht!

    Die besonders Auserwählteste bestimmt nach wie vor, dass wir keine Grenzen mehr haben und darüber bestimmen dürfen, wer alles hierher kommt und wie die Zukunft unserer Kinder auszusehen hat. Aktuell versucht sie den Eindruck zu erwecken, dass sich die Völkerwanderung 2015 nicht wiederholt, sagt aber auch sinngemäß: „Jeder weiß, das ich die Obergrenze ablehne.“ Und der Seehofer lügt frech dazu (sinngemäß): „Ohne Obergrenze wird es keine CSU-Beteiligung an der künftigen Regierung geben.“ Erklärt aber gleichzeitig, wie vollkommen doch die Auserwählteste regiert und macht sich für ihre Wiederwahl stark. Und sie auf Nachfrage: „Volksabstimmungen kommen für mich nicht in Frage.“ Na warum wohl? Vielleicht, weil wir dann sicher sein könnten keinen neuen Weltkrieg zu bekommen?

  8. MartinP sagt:

    Herr Fest ein Linker?
    Ahem, es steht doch ausdrücklich, dass er Mitglied vom Zentrum und Junger Union war.

    Vor Merkel waren diese noch nicht links. 😉

    • Blogwart sagt:

      Zu seiner Ehrenrettung sei gesagt, dass er aus der CDU ausgeschlossen wurde und Freund der Ulrike Meinhof war: Wegen seiner Kritik an der Hamburger Lokalpolitik wurde Fest noch in seiner Zeit beim NDR aus der CDU ausgeschlossen – was er aber nicht wirklich bedauerte: „Das politische Engagement war ein Irrweg, ich gehörte da nicht hin.“

  9. Filer sagt:

    Da hat der altemann vollkommen Recht: wir sind im metaphysischen Zeitalter angekommen. Herrlich der Artikel von V. Ebert „Was wäre, wenn wir alle elektrisch fahren würden?“
    Alles geht ja auch mit „riesigen“ Quantensprüngen voran, wie die führende Physikerin des Landes gern mal kundtut. Spätestens mit diesem Satz durfte man an ihrer Kompetenz zweifeln. Und wieder Vince Ebert 🙂 :
    https://www.youtube.com/watch?v=wfSNLrEPxOw
    Und ich muss dem altenmann alle Hoffnung nehmen, leider- es zeigt sich kein Charakterkopf am Horizont, weder in der Politik noch in den Medien, noch in der Gesellschaft. Fast alle „Auf Linie“! Wer ausbricht, wird sofort aussortiert und entsorgt oder darf als Feigenblatt der Vernunft ein paar Kolumnen schreiben, wie Jan Fleischhauer bei spon oder ein Herr Michels bei rponline (http://www.rp-online.de/politik/deutschland/kolumnen/mit-verlaub/links-ist-schick-und-rechts-des-teufels-aid-1.6783694), der Rest versucht sich mehr oder weniger erfolgreich als freier Journalist über Wasser zu halten, in anderen Branchen lernt der Renitente sehr schnell, seinen Mund zu halten. Auch der cicero hat sich schon 2013 über die neue Journalistengeneration „G“ so seine Gedanken gemacht: http://cicero.de/innenpolitik/einseitiger-journalismus-pressefreiheit-in-gefahr/54351.
    Und 2017? Es weht ein kalter Wind, Denunziation und Überwachung werden von staatlicher Seite legitimiert, Systemgegner sollen gesellschaftlich liquidiert und seelisch zerstört werden- hier upps , das war ja in der DDR…

    • Filer sagt:

      Zur Ergänzung:
      https://www.youtube.com/watch?v=MhMk8NzwI5g
      Strauss hat es 1986 vorausgesagt:
      „Bleiben wir auf dem Boden langweiliger, trockener Vernunft oder steigen wir in das buntgeschmückte Narrenschiff „Utopia“ ein, in dem dann ein Grüner und 2 Rote die Rolle der Faschingskommandanten übernehmen würden.“

  10. Hen Dabizi sagt:

    Du Gerhard Löwenthal, ich Karl-Eduard von Schnitzler — ist das ein Deal?
    Bei der MeinungsFREIHEIT halte ich, als rote Socke, es immer noch mit Rosa Luxemburg: „Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.
    Aber da das Denken den Deutschen offenbar abhandengekommen ist, wird auch, zumindest in der breiten Masse, nicht mehr ‚anders‘ gedacht.
    Ein geistiges Vakuum ist kein Nährboden für Ideen. Die „Volksseele“ ist dem Körper ohnehin längst exorziert worden.

    • Blogwart sagt:

      Leider konnten wir Sudel-Ede in der Provinz nicht empfangen. Ich habe ihn nur mal gesehen, als er im KaDeWe auf Einkaufstour war. Auf Privilegien hat noch keiner freiwillig verzichtet.

      • frank.s sagt:

        Der hat sich nur einen Überblick verschafft, mit welchen
        Versuchungen der Feind in den Klassenkampf zieht.
        Der Link passt zwar nicht zum Artikel, hat mir aber den Tag versaut.

        http://www.tlz.de/web/zgt/politik/detail/-/specific/Faible-fuer-alternative-Fakten-Professor-Lessenich-geht-mit-AfD-hart-ins-Gerich-1069792490

        • Blogwart sagt:

          Wir wissen zwar nicht, was der Herr Professor so herausgefunden hat, weil wir für seine Ergüsse in der thüringischen Landeszeitung nicht mal 99 ct berappen wollen, nach dem wir die Vita dieses Herrn gelesen haben. Als Gründungsmitglied der Partei mut ist er außerdem politischer Konkurrent und daher nicht objektiv.
          Egomanisch hat er – rein zufällig – gleich zwei Bücher von sich ins Regal gestellt.

          • frank.s sagt:

            Der gesamte Text:
            Weimar/München. Die Thüringer AfD-Fraktion attackiert das Jenaer Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) und wirft ihm vor, nicht wissenschaftlich zu arbeiten. Ähnliches gab es jüngst, als eine Studie über die Parlamentsarbeit der Thüringer AfD vorgelegt wurde: Damals schrieb die AfD: Das Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) habe lediglich eine pseudowissenschaftliche Studie erstellt. Dazu befragt diese Zeitung den renommierten Soziologen. Professor Stephan Lessenich.

            Professor Lessenich, welche Absicht steckt hinter diesen Disqualifizierungsversuchen?
            Zunächst einmal in aller Deutlichkeit: Die Wissenschaftlichkeit sowohl des IDZ und namentlich von Matthias Quent wie auch des WZB stehen vollkommen außer Frage. Das „Alternative“ an der AfD besteht ja nicht in der Arbeit an politischen Lösungen für gesellschaftliche Probleme, sondern in ihrem Faible für „alternative Fakten“. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden allenfalls dann anerkannt, wenn sie das eigene Weltbild bestätigen. An wissenschaftlicher Aufklärung über gesellschaftliche Verhältnisse hingegen hat die AfD kein Interesse. Etwa an der Einsicht, dass der hiesige Wohlstand auf Kosten anderer geht und die globalen Migrationsbewegungen nicht zuletzt auch mit unserer eigenen Lebensweise zusammenhängen. Und schon gar nicht möchte sich die Partei wissenschaftlich nachweisen lassen, dass sie in den Landesparlamenten genau das macht, was sie und ihre Wählerschaft gerne den anderen Parteien unterstellen: groß daherreden und ansonsten nichts tun.
            Sind diese Attacken gegen Wissenschaftler eine „Thüringer Spezialität“ der AfD – oder macht das die Partei generell?
            Wissenschaftshetze und Kampagnen gegen unliebsame Wissenschaftler gehören erfahrungsgemäß zur Grundausstattung der Rechtspopulisten; das gilt historisch wie auch international. Der renommierte Physiker Professor Harald Lesch zum Beispiel, der auch an der Uni München lehrt, wurde vergangenes Jahr mit einem regelrechten Shitstorm konfrontiert, weil er das Programm der AfD hinsichtlich der Klimapolitik ausein­andergenommen hat. Nein, von einer Thüringer Spezialität kann hier nicht die Rede sein. Realitätsleugnung und Diskursverweigerung gehören zum Markenkern des Rechtspopulismus.
            Sollen mögliche Kritiker eingeschüchtert, mundtot oder in ihrer Forschung ausgebremst werden? Denn es bleibt ja immer was hängen, vor allem auch im Netz, wo sich einer auf den anderen beruft und es dann heißt: Die arbeiten wohl unsauber…
            Ja, so ist es leider. Es geht darum, Wissenschaftler persönlich zu diffamieren und mit plumpen Behauptungen beruflich zu schädigen. Darüber hinaus sollen solch infame Kampagnen auch eine abschreckende Wirkung auf andere Forscher haben: Sag bloß nichts gegen die AfD, sonst zerstören wir Deine Reputation!
            Welche Folgen hat das?
            In Ungarn und mit besonderer Brutalität in der Türkei kann man beobachten, was passiert, wenn solchen Geistes Kinder an die Macht kommen: die wissenschaftliche Freiheit wird eingeschränkt, Hochschulen werden geschlossen, Wissenschaftler entlassen, verfolgt und eingesperrt.
            Was raten Sie Matthias Quent, dem IDZ und womöglich auch der Politik in solchen Fällen?
            Es gilt vor allem, sich von solch durchsichtigen Praktiken nicht beeindrucken zu lassen. Es ist doch so: Das Wutgeheule dieser Leute ist der beste Beweis für die Notwendigkeit und den Erfolg der Arbeit von Wissenschaftlern wie Matthias Quent.
            Warum braucht es ein Institut wie das IDZ in Jena?
            Das IDZ trägt entscheidend dazu bei, dass der Freistaat Thüringen, wo ich zehn Jahre lang als Professor tätig war, bundesweit nicht in dem Ruf steht, den Rechtsextremismus ungestört gedeihen zu lassen. Und das trotz NSU – und übrigens anders als Sachsen. Die Politik muss daher den Glücksfall IDZ und dessen Arbeit wo immer möglich unterstützen.
            Und wenn das nicht der Fall wäre?
            Die Erfahrung zeigt: Wo Perspektiven und Rückhalt fehlen, da ist die Gefahr groß, dass engagierte junge Wissenschaftler resignieren oder abwandern oder sich aus den dringend notwendigen öffentlichen Debatten um die Zukunft der Demokratie zurückziehen. Daran kann außer der AfD niemandem gelegen sein.
            Generell ist die Auseinandersetzung schärfer geworden. Das muss ja nicht schlecht sein, weil etwa Landtagsdebatten bisweilen stinklangweilig waren…
            Ich weiß nicht, ob Unterhaltsamkeit ein Gütekriterium für demokratische Politik ist. Der rechtspopulistische Politikstil jedenfalls lenkt vor allem davon ab, was diese Gesellschaft wirklich bewegen sollte. Zum Beispiel die strukturellen Ursachen für Migration und Flucht. Stattdessen wird Stimmung gegen Geflüchtete gemacht und manche wählen Parteien wie die AfD – in der irrigen Annahme, es könnte alles gut sein und beim Alten bleiben, wenn man nur die Augen vor der Realität verschließt. Die gesellschaftlichen Umbrüche, vor denen wir stehen, lassen sich aber nicht einfach verleugnen und wegpolemisieren. Jedem einigermaßen realistischen Menschen ist das klar – und die AfD eben keine politische Alternative.
            Aber gibt es eine Grenze in der Wucht der Auseinandersetzung?
            Ja, die entscheidende politische Grenze wird dort überschritten, wo demokratische Parteien mit rechtspopulistischen Kräften kollaborieren, ihre Parolen oder gar ihre Inhalte übernehmen. Leider passiert das schon ständig.
            Fakten zu Fake zu erklären und eigene „Wahrheiten“ ins Spiel zu bringen, die einer kritischen Überprüfung nicht stand halten: Woher rührt das? Und wo führt es hin?
            Das sogenannte Postfaktische ist ja, wenn man ehrlich ist, keineswegs neu. In Wirklichkeit stellen der strategische Umgang mit Wissen und die Konstruktion ganz eigener „Wahrheiten“ ein altes Erbe unserer aufgeklärten europäischen Gesellschaft dar. Das hat historisch zu viel Unglück, Zerstörung und Vernichtung geführt – von den Kreuzzügen bis zum Nationalsozialismus. Auch heute leben wir in unserer eigenen Wahrheit – und blenden Hungersnöte und Artensterben aus, weil sie uns nicht unmittelbar betreffen. Oder das Massensterben im Mittelmeer: Wir tun gern aufgeklärt, aber lassen es einfach geschehen.
            Würden Sie sagen: Die Freiheit der Wissenschaft gerät durch diese Entwicklungen in Gefahr – oder ist das zu hoch gegriffen?
            Die Freiheit der Wissenschaft ist in Gefahr, aber nicht erst durch aggressive Wahrheitsleugner wie die AfD oder Donald Trump. Sie ist auf andere Weise auch durch den herrschenden ökonomischen Verwertungsdruck und die Beschäftigungsbedingungen von Wissenschaftlern gefährdet: Das freie Denken steht in Frage, wenn junge Kollegen den halben Tag darüber nachdenken müssen, wovon sie wohl im nächsten Jahr leben sollen. Der Rechtspopulismus ist nicht zuletzt ein Produkt neoliberaler Verhältnisse, die durch rechtspopulistische Kräfte aber paradoxerweise weiter radikalisiert werden. Die AfD übrigens greift schon in ihrem Parteiprogramm ganz offen die Wissenschaftsfreiheit an, ebenso die Freiheit von Presse, Kunst und Kultur. In der systematischen Analyse derartiger Tendenzen sehe ich eine Chance für eine neue Bedeutung kritischer Sozialforschung. Eben dafür steht auch das IDZ.
            Stephan Lessenich, Jahrgang 1965, lehrt am Institut für Soziologie an der LMU München. Er zählt zu den führenden Soziologen in Deutschland und war bis vor kurzem vier Jahre lang Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziologie.

          • Blogwart sagt:

            Da schreib ich demnächst was dazu.

          • Hen Dabizi sagt:

            Darauf bin ich schon sehr gespannt!

        • Heli sagt:

          Danke Frank für den kompletten Zeitungs – Text.

          Der Herr Professor liefert doch selbst den Beweis, dass die AfD mit ihrem Vorwurf richtig liegt.

          „Die Wissenschaftlichkeit sowohl des IDZ und namentlich von Matthias Quent wie auch des WZB stehen vollkommen außer Frage. “

          Fragt sich halt bei wem!

          Gewiss beim ebenso renommierten Prof. Lesch, der sich so gut darauf versteht, zu signalisieren,dass die Deppen vor dem Bildschirm eh nix begreifen. Deshalb sucht er während einer ganzen Sendung seine Kaffeetasse, obwohl ich ihm ganz laut zurufe: Kasper, Kasper, schau unter dem Stuhl!

          Eigentlich wollte er “ Haarp“ erklären, hat den Zuschauer aber nur mit seinem Kaffee beschäftigt . Der Lesch schlürft ,auch wenn der Kaffee eiskalt ist. Ihh, sehr unangenehm. Das war also „Haarp“! Zumindest hat es der Kasper im Kostüm eines renommierten Profs vermittelt.

          Der Kasper hat auch ganz wissenschaftlich in seiner Anti-AfD-Sendung über die bösen Volksverführer aufgeklärt.

          • Filer sagt:

            Oh je Heli, da hast Du ja wieder den Finger in der bösen Klima – Wunde! Prima!
            Harald Lesch ist für mich ein eitler Demagoge- dazu auch noch Klimaberater des bayrischen Umweltministeriums. Seinen Studenten an der Ludwig-Maximilians-Universität gibt er auch das Rüstzeug mit, damit die seine (die der vorherrschenden Meinung) Thesen weiterverbreiten. Das diese Demagogie auf gleichem Level so weitergehen soll, das zeigen schon die ersten 2 Punkte des Wahlprogramms der Grünen: 1. Klimaschutz voranbringen („Wir steigen so aus der klimafeindlichen Kohle aus, dass wir die Klimaschutzziele und unser Ziel 100% Erneuerbare Energie im Strombereich bis 2030 einhalten. Die 20 schmutzigsten Kohlekraftwerke schalten wir sofort ab.“) und 2. der E- Mobilität zum Durchbruch verhelfen („Wir wollen ab 2030 nur noch abgasfreie Autos neu zulassen“).
            Kopfschmerz lass nach!! Vince Ebert hat sich ja schon mit diesen unhaltbaren Forderungen wissenschaftlich auseinandergesetzt und EIKE widerlegt hier die von Harald Lesch aufgestellten Antithesen zum AfD- Programm und schreibt: „Das ZDF hat es sich nicht nehmen lassen, seinen mit Gebührengeldern bezahlten Wissenschaftserklärer Prof. Harald Lesch, auf die Klimaaussagen des AfD Programmes loszulassen“.

          • Heli sagt:

            Filer, Du bist einfach ein tolles Trüffelschwein!

            Stichwort genügt, Filer nimmt Witterung auf und zack ist der größte Trüffel gefunden.

            Das ist einfach eine großartige Qualität.

          • Filer sagt:

            Juchhu, Filer ist das Trüffelschwein, hahaha 🙂 Aber nur bei (für mich) interessanten Themen 🙂

    • RogerK sagt:

      Zu Rosa Luxemburg zwei Anmerkungen:
      1. Dieser Link
      https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/josef-kraus-lernen-und-bildung/schluss-mit-dem-um-sich-greifenden-historischen-analphabetismus/
      2. Lies dir mal Sebastian Haffners Bücher über die damalige Zeit durch

      • Hen Dabizi sagt:

        @RogerK
        Zu 1.
        Ich bin weder „skandalös unterbelichtet“ noch ein „junger Leut“. (Etwa im Alter des Autors und Zeitzeuge nicht nur von Außen)
        Und kann auch nach dem Gegeifer von Herrn Kraus keinen Fehler in der zitierten Aussage finden.
        Vor Hundert Jahren sah man in der Diktatur des Proletariats eine Alternative zum Imperialismus. Was sehen wir heute? Keine Alternative! Wir rühmen uns einer „Freiheit“, die offenkundig die praktische Diktatur des Kapitals und keinen Deut besser als alle fehlgeschlagenen Sozialismusversuche ist.
        Da fehlt das Mausaufreißen im Stile „Ich hab es ja damals schon gewusst“ manchen auffallend leicht. Besser machen? Fehlanzeige.
        Und ich trinke nicht mal Primitivo, um mir die Gegenwart schön saufen zu können. 🙁

        zu 2. Ich finde zu Pretzels Sichtweisen nicht immer einen Zugang und halte seine Schriften (zumindest die, die ich kenne) auch nicht für „wegweisend“. Er ist schon sehr in seiner Vita gefangen. Aber darüber mag ich nicht streiten, da ich keine Relevanz für unsere Situation sehe.

        • RogerK sagt:

          Sorry, aber wenn der Artikel von Herrn Kraus Gegeifer sein soll, erübrigt sich wohl jede weitere Diskussion.

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